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Pflanzenbetonte Ernährung und der Zusammenhang mit dem Fettgewebe und dem Leberfettgehalt

hinzugefügt am
24. Aug 2020
Pflanzenbetonte Ernährung und der Zusammenhang mit dem Fettgewebe und dem Leberfettgehalt

Eine Zusammenfassung der Studie von Ilka Ratjen, Jakub Morze, Janna Enderle, Marcus Both, Jan Borggrefe, Hans-Peter Müller, Jan Kassubek, Manja Koch und Wolfgang Lieb (2020). Adherence to a plant-based diet in relation to adipose tissue volumes and liver fat content.

Eine pflanzenbetonte Ernährungsweise wird mit einem geringeren Risiko für metabolische Erkrankungen in Verbindung gebracht. Ratjen et al. untersuchten in ihrer Studie den Zusammenhang zwischen verschiedenen pflanzenbetonten Ernährungsweisen und der Bauchfettverteilung sowie des Leberfettgehalts.

Überschüssiges Körperfett gilt als anerkannter Risikofaktor für Mortalität und zahlreiche Krankheiten, einschließlich kardiometabolischer Erkrankungen und Krebs. Subkutanes und viszerales Fettgewebe sind strukturell und funktionell unterschiedliche Fettdepots, wobei viszerales Fettgewebe metabolisch aktiver ist und ein größeres Risiko für kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen darstellt. Ein erhöhter Leberfettgehalt wird ebenfalls mit Adipositas, Typ-2-Diabetes, Infektionen und Dyslipidämie in Verbindung gebracht. Auch die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung, eine pathologische Ansammlung von Fett in der Leber, ist ein wachsendes gesundheitliches Problem mit zunehmender Prävalenz.

Pflanzenbetonte Ernährungsweisen, die durch einen erhöhten Verzehr pflanzlicher und einen verringerten Verzehr oder kompletten Verzicht tierischer Produkte gekennzeichnet sind, wirken sich positiv auf die Inzidenz und den klinischen Verlauf verschiedener Krankheiten, wie Adipositas, Typ-2-Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs und rheumatoide Arthritis, aus. Eine pflanzliche Ernährung ist jedoch nicht per se ausschließlich gesund. Die drei folgenden Indizes ermöglichen eine Bewertung der Qualität pflanzenbetonter Ernährungsweisen:

  1. Der pflanzenbetonte Ernährungsindex (plant-based diet index, PDI), welcher sich durch eine durchschnittliche pflanzenbetonte Ernährung auszeichnet.
  2. Der gesundheitsfördernde pflanzenbetonte Ernährungsindex (healthy plant-based diet index, hPDI) beinhaltet besonders den Verzehr von Vollkornprodukten, Obst, Gemüse und Nüssen.
  3. Der ungünstige pflanzenbetonte Ernährungsindex (unhealthful plant-based diet index, uPDI) basiert auf einer hohen Aufnahme von raffiniertem Getreide, Süßigkeiten, Fruchtsäften und zuckerhaltigen Getränken.

In der Querschnittsstudie von Ratjen et al. wurden die pflanzenbetonten Ernährungsindizes der bevölkerungsbezogenen Stichprobe (n=578, Norddeutschland, 57 % Männer, Durchschnittsalter 62 Jahre) anhand eines validierten Verzehrshäufigkeitsfragebogens abgeleitet. Zudem wurden bei den Teilnehmern mithilfe einer MRT-Untersuchung das Volumen des viszeralen und subkutanen abdominalen Fettgewebes und die Lebersignalintensität, ein Maß für den Leberfettgehalt, bestimmt. Die Fettlebererkrankung wurde dabei als log Lebersignalintensität ≥ 3,0 definiert. Die Zusammenhänge zwischen pflanzenbetonten Ernährungsweisen, viszeralen und subkutanen Bauchfettvolumina, Lebersignalintensität und Fettlebererkrankungen wurden in linearen und logistischen Regressionsanalysen bewertet.

Die Studienergebnisse zeigen, dass unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, körperlicher Aktivität, Raucherstatus, Alkoholverzehr, Energieaufnahme, Diabetes, Hyperlipidämie und Bildungsgrad die Einhaltung einer allgemeinen und gesundheitsfördernden pflanzlichen Ernährungsweise in statistisch signifikantem Zusammenhang mit einem niedrigeren viszeralen und subkutanen abdominalen Fettgewebsvolumen sowie einem geringeren Risiko für das Auftreten einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung stand. Nach zusätzlicher Adjustierung für den BMI blieb der Zusammenhang zwischen der Einhaltung einer gesundheitsfördernden pflanzlichen Ernährungsweise und einem geringeren viszeralen Fettgewebsvolumen bestehen.

Ein möglicher Mechanismus für diese Beobachtungen könnte die überwiegende Aufnahme von Lebensmitteln mit einem geringen glykämischen Index bei der gesundheitsfördernden pflanzenbetonten Ernährungsweise sein. Pflanzliche Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index, wie sie unter anderem bei der allgemeinen und der ungünstigen pflanzenbetonten Ernährungsweise verzehrt werden, stehen in Zusammenhang mit der Lipogenese und Fettansammlung, insbesondere in der Leber.

Unter Berücksichtigung der genannten Faktoren einschließlich des BMI konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen pflanzenbetonten Ernährungsweisen  und dem Volumen des subkutanen abdominalen Fettgewebes, dem Leberfettgehalt oder dem Auftreten einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung mehr nachgewiesen werden. Möglicherweise haben pflanzenbetonte Ernährungsweisen eine größere Auswirkung auf die allgemeine Ansammlung von Fettgewebe und das Körpergewicht als auf die Fettverteilung, einschließlich der Verteilung des viszeralen und subkutanen Fettgewebes sowie des Leberfettgehalts.

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Notwendigkeit, die Qualität verschiedener pflanzenbetonter Ernährungsweisen sowie deren mögliche gesundheitliche Vorteile in weiteren Studien genauer zu untersuchen.
 

Die gesamte Studie können Sie hier lesen (kostenpflichtig): https://academic.oup.com/ajcn/article-abstract/112/2/354/5846049