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Pflanzenbetonte Ernährung und Diabetes Typ 2 - Interview mit Marie Ahluwalia

hinzugefügt am
20. Oct 2020
Pflanzenbetonte Ernährung und Diabetes Typ 2 - Interview mit Marie Ahluwalia

Marie Ahluwalia ist Ärztin und Ernährungsmedizinerin. Als „The Food Doc“ macht sie Ernährungsberatung und Ernährungstherapie, sowohl in ihrer Praxis in Berlin als auch deutschlandweit online. Nachhaltige Ernährungsgewohnheiten und ein ganzheitlicher Ernährungs- und Lebensstil sind ihr besonders wichtig. Spezialisiert hat sie sich u.a. auf pflanzenbetonte Ernährung, Vegetarismus und Veganismus. Für Alpro hat sie auf dem diesjährigen virtuellen Kongress des VFED einen Vortrag über den Einfluss einer pflanzenbetonten Ernährungsweise auf Diabetes Typ 2 gehalten.

Marie, du hast Medizin studiert. War es von Anfang an dein Wunsch, hinterher im Bereich Ernährungstherapie tätig zu werden?

Ganz so konkret war das am Anfang des Studiums noch nicht. Ich wusste jedoch, dass ich nicht den klassischen Weg der Krankenhauslaufbahn gehen würde. Zudem habe ich während des Studiums mit großer Überraschung festgestellt, dass Ernährung und Wissen darüber im Lehrplan der Mediziner eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Das spiegelt sich auch in der Praxis unseres Gesundheitssystems wider. Mir war klar, dass es in meiner Arbeit im Fokus stehen soll.

Was bedeuten Ernährung und Gesundheit für dich in einem Satz?

Ernährung ist eine unglaublich kraftvolle Stellschraube, Einfluss auf seine Gesundheit zu nehmen.

Zu deinen Schwerpunkten gehören auch Vegetarismus und Veganismus. Auf dem VFED-Kongress hast du einen Vortrag zu pflanzenbetonter Ernährung und Diabetes Typ 2 gehalten. Warum räumst du pflanzlichen Lebensmitteln in der Ernährung einen so hohen Stellenwert ein?

Zum einen ist es die Evidenz, dass die Bestandteile einer pflanzenbetonten Ernährung wie z.B. Ballaststoffe, Fettsäureprofil und Mikronährstoffe sich günstig in Bezug auf metabolische Krankheiten auswirken. Darüber hinaus habe ich in den letzten Jahren im „pflanzenbetonten“ Indien gelebt und durfte unter anderem in der Inneren Medizin viel Praxiserfahrung in Bezug auf Ernährung und metabolische Krankheiten wie Übergewicht und Diabetes Typ 2 sammeln.

Warum ist dir das Thema Diabetes Typ 2 und der Einfluss einer pflanzenbetonten Ernährung besonders wichtig?

Fehlernährung und Bewegungsmangel sind zwei Hauptfaktoren in der Manifestation und dem Verlauf der Krankheit. Auch in Indien nähern sich diese Lebensweisen den westlichen an, was sich in rapide steigenden Diabetesraten widerspiegelt. Eine gesundheitsförderliche Ernährung hilft nicht nur, Folgeerkrankungen zu reduzieren, sondern befähigt den Patienten auch, seine Gesundheit selbstverantwortlich mitzubestimmen. In Bezug auf Indien ist natürlich die finanzielle Komponente von Relevanz – lebenslange Ausgaben für Medikamente können reduziert oder vermieden werden.

Kannst du die Quintessenz deines Vortrages kurz für uns zusammenfassen?

Je mehr pflanzliche Lebensmittel auf dem Teller, desto besser, ABER pflanzlich ist nicht gleich pflanzlich: Wir sprechen von einer ausgewogenen Lebensmittelauswahl aus der Vielfalt der Lebensmittelgruppen – Gemüse, Obst, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse & Samen.

Wie können aus deiner Sicht Menschen dazu gebracht werden können, sich pflanzenbetonter zu ernähren?

Aus meiner Erfahrung sprechend glaube ich, dass „hinzufügen“ anstatt „wegnehmen“ ein ganz wichtiges Prinzip ist, Menschen abzuholen. Wissen und Lust zu vermitteln, neue pflanzliche Lebensmittel und Lebensmittelgruppen auszuprobieren, kann dabei der erste Schritt sein, tierische Lebensmittel einer Mahlzeit zu reduzieren. Auch langsam anzufangen mit „fleischfreien Tagen“ oder ein „rein pflanzliches Abendessen jeden Dienstag“ kann ein Anfang sein.

Was ist dein pflanzenbetontes Lieblingsgericht?

Ich experimentiere gerade mit pflanzlichen Aufstrichen für ein E-Book – davon der Rote-Bete- & Walnuss-Aufstrich. Heute Abend gab es passend zum Herbstwetter Curry aus Kürbis, roten Linsen, Pastinaken und Grünkohl. Das ist auch definitiv eines meiner Lieblinge!

Liebe Marie, vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen dir alles Gute!