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Keine Wirkung von Soja oder Isoflavonen auf den Östrogen- oder Testosteronspiegel bei Männern

hinzugefügt am
05. Feb 2021
Keine Wirkung von Soja oder Isoflavonen auf den Östrogen- oder Testosteronspiegel bei Männern

Eine Zusammenfassung der Studie von Katharine E. Reed, Juliana Camargo, Jill Hamilton-Reeves, Mindy Kurzer und Mark Messina (2020). Neither soy nor isoflavone intake affects male reproductive hormones: An expanded and updated meta-analysis of clinical studies.

Lebensmittel aus Sojabohnen erobern seit einigen Jahren auch nicht-asiatische Länder. Grund hierfür sind zum einen das erhöhte Interesse an pflanzlicher Ernährung und pflanzlichem Eiweiß und zum anderen die potenziellen ernährungsphysiologischen und gesundheitlichen Vorteile. Neben Protein und anderen Nährstoffen (beispielsweise B-Vitamine oder Calcium), ist die Sojabohne eine bedeutende Quelle für Isoflavone. Isoflavone werden als Phytoöstrogene klassifiziert, da sie dem Hormon Östrogen in ihrer chemischen Struktur ähneln, wodurch sie an beide Östrogenrezeptoren (ER), ERα und ERβ, binden können und unter bestimmten experimentellen Bedingungen Östrogen-ähnliche Wirkungen ausüben. Isoflavone unterscheiden sich jedoch auf molekularer Ebene von Östrogen, da sie bevorzugt an ERβ binden und diesen aktivieren, während Östrogen für beide Rezeptoren die gleiche Affinität aufweist. Dieser Unterschied in der Bindungspräferenz ist wichtig, da die beiden Rezeptoren, sobald sie aktiviert sind, unterschiedliche und manchmal entgegengesetzte physiologische Wirkungen ausüben.
In den letzten 30 Jahren wurden Isoflavone eingehend auf eine Reihe von potenziellen gesundheitlichen Vorteilen für Männer und Frauen untersucht.

Die aktuelle Metaanalyse von Reed et al. hat die Wirkung von Soja auf das Gesamt-Testosteron (TT), freies Testosteron (FT), Sexualhormon-bindendes-Globulin (SHBG) sowie die beiden Hormone Östradiol (E2) und Östron (E1) bei Männern untersucht. Hierfür wurden Datenbanken unter Verwendung von spezifischen Suchbegriffen durchsucht und englischsprachige Peer-Review-Studien zwischen 2010 und April 2020 auf Grundlage von zwei Kriterien ausgewählt: (1) Wenn erwachsene Männer Sojalebensmittel, Sojaproteinisolat, Sojaproteinkonzentrat oder Isoflavon-Extrakte (aus Soja oder Rotklee) konsumierten und (2), wenn zirkulierendes TT, FT, SHBG, E2 oder E1 untersucht wurde. Insgesamt 38 Studien eigneten sich für die Aufnahme in die Metaanalyse. Es wurden die TT- und FT-Spiegel bei 1.753 bzw. 752 Männern, die E2- und E1-Werte bei 1.000 bzw. 239 Männern sowie die SHBG-Spiegel bei 967 Männern gemessen. Die beiden durchgeführten statistischen Modelle zeigten keine signifikanten Auswirkungen der Aufnahme von Sojaprotein oder Isoflavonen auf einen der gemessenen Werte. Genauere Analysen der Daten nach Isoflavon-Dosis (< 75 mg/d vs. ≥ 75 mg/d) und Studiendauer (≤ 12 Wochen vs. ≥ 12 Wochen) stellten ebenfalls keine Effekte fest.

Die Metaanalyse zeigt, dass unabhängig von der Dosis und Studiendauer weder die Sojaprotein- noch die Isoflavon-Aufnahme Auswirkungen auf die Testosteron- oder Östrogenspiegel haben. Angesichts der Analyse von 41 Studien und 1.753 Männern, sind sich die Autoren einig, dass es unwahrscheinlich ist, dass zusätzliche Forschung diese Schlussfolgerung ändert, insbesondere wenn die geringe Heterogenität zwischen den eingeschlossenen Studien beachtet wird.