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Europäischer Alpro Foundation Award verliehen 

hinzugefügt am
12. May 2021
Europäischer Alpro Foundation Award verliehen 

Nachhaltige Ernährung hier, sollte auch eine bessere Umwelt  dort  berücksichtigen 

Das Essen von weniger tierischen Lebensmitteln kann ökologische Auswirkungen haben. Welche potenziellen ökologischen Auswirkungen hat jedoch das Essen von mehr pflanzlichen Nahrungsmitteln? 

Perrine Laroche vom Institut für Umweltstudien in Amsterdam hat kürzlich den Alpro Foundation Award für Publikationen junger Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler für eine ihrer Veröffentlichungen aus dem Jahr 2020 gewonnen.  

Ihre detaillierte Forschung untersucht und lokalisiert die möglichen ökologischen Auswirkungen verschiedener US-Ernährungsformen durch die Identifikation heimischer und ausgelagerter Lebensmittel. Während zahlreiche Berichte ökologische Vorteile durch eine reduzierte Produktion von Fleisch und tierischen Produkten berücksichtigen, gibt es weniger Untersuchungen im Hinblick auf einen möglichen ökologischen Druck an anderen Orten aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach alternativen Lebensmitteln; beispielsweise bezogen auf die Landnutzung oder den ökologischen Wandel.  

Tierisches Eiweiß liefert ungefähr 29 % der Kalorien in der westlichen Ernährung, dessen Produktion ist jedoch relativ ineffizient im Vergleich zur Produktion von pflanzlichem Eiweiß. Ein Viehbestand benötigt Futter, nimmt mehr Land und Wasser in Anspruch, und produziert ökologisch schädliche Emissionen von Methan und Stickstoff. Im Jahr 2019 beschäftigte sich ein wichtiger und einflussreicher Report (EAT-Lancet-Kommission) mit dem Gleichgewicht zwischen der Gesundheit der Bevölkerung und den ökologischen Grenzen für die globale Lebensmittelproduktion. Sie schlugen eine globale planetare und gesunde Referenzernährung vor, wobei nur 12 % der Kalorien aus tierischen Proteinen stammen (weniger als die Hälfte der derzeitigen typischen westlichen Ernährung) und empfiehlt eine Ernährung mit größeren Mengen an Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen. 

Perrine Laroche erklärt, dass „globale Vorteile eines Ernährungswandels nicht auf Kosten eines lokalen ökologischen Kontextes realisiert werden sollten.“ 

In der Forschung von Perrine Laroche und ihrer Kolleginnen und Kollegen basieren Kalkulationen zur Definition des Lebensmittelbedarfs auf Daten aus amerikanischen Ernährungsumfragen, die durchschnittliche amerikanische Ernährungsformen, vegetarische und vegane Ernährungsmuster und das Modell der EAT-Ernährung umfassen, allesamt mit 2.500 Kalorien pro Tag. Auf der Grundlage dieser Ernährungsdaten werden der Land-Fußabdruck zur Produktion von Lebensmitteln oder Futter oder die Weideland-Ressourcen beurteilt (sowohl US/heimisch als auch ausgelagert). Zudem werden die ökologischen Auswirkungen im Zusammenhang mit Trinkwasser-Ökosystemen, der Abhängigkeit von Bestäubern und der Stickstofffixierung berechnet. 

Der gesamte Land-Fußabdruck ist am höchsten bei der aktuellen durchschnittlichen amerikanischen Ernährung (AAD) - mit 5,161 mpro Person pro Jahr - und am niedrigsten bei einer veganen Ernährung - mit 1,057 m2. Der Hauptgrund dafür sind die viel größeren Weidelandflächen, die für eine fleischreiche Ernährung benötigt werden; Gras liefert 64 % bzw. 28 % des Gesamtfutters für amerikanisches Rind und Milchprodukte (der Rest stammt aus verdichteten Kulturen, wie Soja, Mais und Weizen). Allerdings ist der Bedarf an Land für Lebensmittel und Futter auch im Hinblick auf die unterschiedlichen Ernährungsformen unterschiedlich.  

Ausgelagertes Land (außerhalb der USA) zur Erzeugung von Lebensmitteln, die in den USA konsumiert werden, ist am größten für fleischreiche Ernährungsformen und ist hauptsächlich auf importiertes Rind, Milch und Futter zurückzuführen. Ausgelagerte Lebensmittel, die bei veganer und vegetarischer Ernährung vermehrt vorkommen, wie beispielsweise Cashewnüsse, Avocados, Oliven und Orangen können von einer bestäubungsfreundlichen Umwelt abhängen und können auch zu einem spezifischen Druck für Trinkwasser in trockenen Gebieten beitragen. 

Eine Änderung der US-Ernährung mit einem geringeren Fleischkonsum wird zu einem geringeren Landbedarf führen, sowohl national als auch im Ausland, aber die Ersatzlebensmittel können die Abhängigkeit von Bestäubung und den Druck auf Trinkwasser in bestimmten Gebieten steigern. Der wissenschaftliche Beirat der Alpro Foundation hat diese Veröffentlichung zum Sieger gekürt, da diese Forschung die globalen Auswirkungen lokaler Verschiebungen hin zu pflanzenbetonteren Ernährungsgewohnheiten berücksichtigt. In der Tat ist es wichtig, sich bewusst zu sein: „Nachhaltige Ernährung sollte auf nachhaltiger Beschaffung aufbauen.” 

Nachhaltige Ernährungsweisen werden nicht ohne Kompromisse auskommen. Handelsabkommen sind der Schlüssel, um die individuellen Bemühungen für eine nachhaltige Ernährung zu fördern. Globale Vorteile von Ernährungsumstellungen sollten nicht auf Kosten lokaler Umweltkontexte realisiert werden. Ein reduzierter Landbedarf im Zusammenhang mit einem geringeren Konsum von tierischen Proteinen könnte ermöglichen, mehr Land für weniger intensive regenerative Anbausysteme für pflanzliche Proteine zu schaffen. Das Ersetzen von tierischen Proteinen durch Protein aus Hülsenfrüchten könnte es zudem ermöglichen, den Einsatz chemischer Düngemittel zu reduzieren.  

Anmerkungen für Redakteure: Laroche, P. C. S. J., Schulp, C. J. E., Kastner, T., & Verburg, P. H. (2020). Telecoupled environmental impacts of current and alternative Western diets. Global Environmental Change, 62. https://doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2020.102066 

Über den Alpro Foundation Award 

Der Alpro Foundation Award für die beste wissenschaftliche Publikation ehrt eine(n) junge(n) Forscher(in) als erste(n) Autor(in) einer herausragenden Arbeit auf dem Gebiet der pflanzenbetonten Ernährung (Auswirkungen auf Gesundheit und/oder Nachhaltigkeit). Der/die erste Autor(in) muss mit einer europäischen Universität verbunden und jünger als 35 Jahre alt sein. Der Preis für den/die junge(n) Wissenschaftler(in) beträgt 2.500€.  

Über die Alpro Foundation 

Die Alpro Foundation ist eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die im Jahr 1996 gegründet wurde, um die wissenschaftliche Forschung in Bezug auf Ernährung zu unterstützen und das Wissen und das Bewusstsein bezüglich pflanzlicher Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit zu steigern. Verschiedene Quellen für wissenschaftliche Gesundheitsexperten und -expertinnen und Studenten und Studentinnen finden sich auf deren Website