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Reduktion des ökologischen Fußabdrucks durch eine pflanzenbetonte Ernährung

hinzugefügt am
08. Jun 2021
Reduktion des ökologischen Fußabdrucks durch eine pflanzenbetonte Ernährung

Eine Zusammenfassung der Studie von Hannah Helander, Martin Bruckner, Sina Leipold, Anna Petit-Boix und Stefan Bringezu (2021). Eating healthy or wasting less? Reducing resource footprints of food consumption.

Die natürlichen Ressourcen auf unserem Planeten werden immer knapper. Um auch zukünftige Populationen ernähren zu können, muss der immense Druck der Nahrungsmittelsysteme auf Land und Ressourcen weltweit verringert werden. Es gibt einen großen wissenschaftlichen Konsens, dass eine Umstellung auf eine pflanzenbetonte Ernährung großen Einfluss auf die Verringerung des Fußabdrucks hat. Politische Initiativen befassen sich aktuell jedoch in erster Linie noch mit Strategien zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Die Bundesrepublik hat sich zum Ziel gesetzt die Lebensmittelverschwendung in den Bereichen Konsum und Vertrieb bis 2030 zu halbieren. Die Studie von Helander et al. befasst sich mit den Umweltauswirkungen verschiedener Ernährungsstile sowie die damit einhergehende Reduzierung von Lebensmittelabfällen. Die Veröffentlichung konzentriert sich auf Deutschland als Fallstudie. Deutschland weist in Europa den höchsten CO2-Fußabdruck in Zusammenhang mit dem Lebensmittelverbrauch auf und hat großes Potenzial, zur Verringerung des globalen Fußabdrucks von Ressourcen beizutragen.

In ihrer Analyse betrachten die Forschenden die Fußabdrücke für drei Ernährungsweisen und vergleichen diese.

1. Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft der Ernährung (DGE)

2. Nachhaltige Ernährung basierend auf den Richtlinien der EAT Lancet Kommission, zur Ernährung innerhalb der planetaren Grenzen

3. Vegetarische, milcharme Ernährung Variante der EAT-Lancet-Richtlinien.

Mithilfe eines Berechnungsmodells (Food and Agriculture Biomass Input–Output Model (FABIO)) haben Helander et al.  die Ackerland-, Biomasse- und Blauwasser[1]-Fußabdrücke zu den einzelnen Ernährungsweisen entlang der globalen Lieferketten erfasst.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Ernährungsumstellungen besonders wirksam zur Verringerung des Biomasse- und Ackerland-Fußabdrucks beitragen, während der Einfluss auf den Blauwasser-Fußabdruck nur gering ist. Die Einhaltung der DGE-Empfehlungen führen demnach zu einer Reduktion der Biomasse- und Ackerland-Fußabdrücke um 19 % beziehungsweise 22 %, der Blauwasser-Fußabdruck würde dagegen um 6 % ansteigen, falls diese Ernährungsform nicht mit einer Reduktion der Lebensmittelabfälle kombiniert würde.

Eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten hin zur planetaren, gesunden Ernährung, basierend auf den Richtlinien der EAT Lancet Kommission, würde zu einer Verringerung des Biomasse-Fußabdrucks um 54 %, des Ackerland-Fußabdrucks um 43 % und des Blauwasser-Fußabdrucks um 7 % führen.

Bei der vegetarischen, milcharmen Ernährung kann der Biomasse-Fußabdruck sogar um 61 %, der Ackerland-Fußabdruck um 48 % und der Blauwasser-Fußabdruck um ebenfalls 7 % reduziert werden. Im Gegensatz zu den Ernährungsumstellungen, würde eine Halbierung der Lebensmittelverschwendung dagegen lediglich zu einer Reduzierung der Biomasse- und Ackerland-Fußabdrücke von 11 % beziehungsweise 15 % führen. Im Bereich des Blauwasser-Fußabdrucks stellt sich die Reduzierung von Lebensmittelabfällen mit einer Verringerung um 14 % als effektiver dar.

Die Ergebnisse belegen, dass eine pflanzenbetonte Ernährung den Ackerland- und Biomasse-Fußabdruck drei bis sechs Mal effektiver senkt als die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Für die Reduzierung des Blauwasser-Fußabdrucks ist die Reduzierung der Lebensmittelabfälle dagegen doppelt so effektiv wie die Einhaltung der nachhaltigen beziehungsweise vegetarischen Ernährungsform.

Eine möglichst effiziente Nutzung der Ressourcen lässt sich erzielen, wenn die Reduktionspotenziale aller verfügbaren Strategien ausgeschöpft und gleichzeitig die Wechselwirkungen der unterschiedlichen Strategien berücksichtigt werden, schlussfolgern die Autorinnen und Autoren.

Die gesamte Studie können Sie hier kostenlos lesen: https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/abe673

[1] Blaues Wasser bezeichnet die Menge an Wasser, die in der Industrie und im häuslichen Gebrauch zur künstlichen Bewässerung oder zur Herstellung von Produkten verwendet wird.