Aktuelles

Eine pflanzenbetonte Ernährungsweise zur Vorbeugung und Behandlung von Diabetes Typ 2

hinzugefügt am
02. Mar 2022
Eine pflanzenbetonte Ernährungsweise zur Vorbeugung und Behandlung von Diabetes Typ 2

Diabetes ist nicht nur eine Herausforderung für Betroffene und ihre Familien, sondern auch für die öffentliche Gesundheit weltweit. Die International Diabetes Federation (IDF) schätzt, dass im Jahr 2019 463 Millionen Menschen, das entspricht 9,3 Prozent der Weltbevölkerung, an Diabetes litten. Es wird erwartet, dass diese Zahl bis zum Jahr 2030 auf 578 Millionen (10,4% der Weltbevölkerung) ansteigen wird.1 Weltweit verursachte Diabetes 15 Millionen Todesfälle und der Anteil an den Gesundheitsausgaben lag im Jahr 2015 bei 12%.2 Makrovaskuläre und mikrovaskuläre Komplikationen von Diabetes tragen nicht nur zur Sterblichkeit bei, sondern verringern auch die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Prävalenz für Diabetes im Zusammenhang mit einer veränderten Ernährungsweise, wie dem gesunkenen Verzehr von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten und dem erhöhten Verzehr tierischer und verarbeiteter Lebensmittel, stetig angestiegen.3 Eine pflanzenbetonte Ernährung ist im Vergleich zu einer nicht-vegetarischen Ernährung mit einer signifikant geringeren Prävalenz von Typ-2-Diabetes verbunden.4

Laut dem Review Perspective: Plant-Based Eating Pattern for Type 2 Diabetes Prevention and Treatment: Efficacy, Mechanisms, and Practical Considerations, das Ende 2021 in der Advances in Nutrition erschien, ist eine pflanzenbetonte Ernährung die beste Ernährungsweise zur Prävention und Behandlung von Typ-2-Diabetes. Das Review gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Evidenz der Auswirkungen einer pflanzenbetonten Ernährung zur Vorbeugung und Behandlung von Typ-2-Diabetes. Es verdeutlicht, dass eine Ernährungsweise, die vorwiegend aus Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide besteht und ohne tierische Produkte auskommt, die Risikofaktoren für Diabetes, wie Blutzuckerspiegel, Cholesterinspiegel, Gewicht, Blutdruck und Kardiovaskuläre Erkrankungen, verbessern kann. Personen mit Typ-2-Diabetes, die auf eine fettreduzierte und pflanzenbetonte Ernährung zurückgriffen, konnten das Körpergewicht, die glykämische Kontrolle, die Plasmalipidkonzentration und den Blutdruck verbessern und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und mikrovaskuläre Komplikationen reduzieren. Das Review beschreibt Mechanismen, durch die eine pflanzliche Ernährung positiven Einfluss auf das Körpergewicht, die Insulinsensitivität und die β-Zellfunktion hat. Essgewohnheiten, die auf einer pflanzenbetonten Ernährung beruhen, sind für Patienten mit Diabetes von Vorteil, da sie sowohl die Insulinsensitivität als auch das Körpergewicht verbessern.

Das Review vergleicht außerdem die pflanzenbetonte Ernährung mit weiteren Ernährungsmustern wie der mediterranen und der DASH-Diät. Beide Ernährungsformen setzen auf eine weitgehend vegetarische Ernährung mit einem geringen Anteil tierischer Lebensmittel. Die mediterrane Diät ging mit einer großen Senkung des HbA1c-Werts einher sowie einer Verbesserung des Körpergewichts und der kardiovaskulären Risikofaktoren.5 Auch die DASH-Diät ist mit einer signifikanten Reduzierung des Risikos für Diabetes assoziiert. Zudem zeigten zwei kontrollierte Studien eine Reduzierung des HbA1c-Werts und des Nüchtern-Blutzuckers.6

Ein weiterer Vorteil der pflanzlichen Ernährung, auch im Vergleich mit der mediterranen und DASH-Diät, ist, dass es keine Einschränkungen bezüglich Kalorien, Kohlenhydratmengen oder Portionsgrößen gab. Die meisten Patienten empfanden diese Art der Ernährungsumstellung, im Vergleich zu anderen therapeutischen Diäten, daher nicht als größere Herausforderung. Auf Grundlage dieser und weiterer Ergebnisse raten die Forscherinnen und Forscher des Reviews  Ernährungs- und Gesundheitsfachkräften dazu, Menschen mit Diabetes oder einem erhöhten Risiko für Diabetes eine pflanzenbetonte Ernährung zu empfehlen, sowie sie zu schulen und sie dabei zu unterstützen, ihre Diabeteswerte, ihren Allgemeinzustand sowie ihr psychisches Wohlbefinden zu verbessern.7

Quellen:

  1. Saeedi P, Petersohn I, Salpea P, Malanda B, Karuranga S, Unwin N, Colagiuri S, Guariguata L, Motala AA, Ogurtsova K et al.  Global and regional diabetes prevalence estimates for 2019 and projections for 2030 and 2045: results from the International Diabetes Federation Diabetes Atlas, 9th edition. Diabetes Res Clin Pract. 2019;157:107843
  2. Papatheodorou K, Banach M, Bekiari E, Rizzo M, Edmonds M. Complications of diabetes 2017. J Diabetes Res. 2018;2018:3086167.
  3. Tonstad S, Stewart K, Oda K, Batech M, Herring RP, Fraser GE. Vegetarian diets and incidence of diabetes in the Adventist Health Study-2. Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2013;23:292–9.
  4. Willett W, Rockström J, Loken B, Springmann M, Lang T, Vermeulen S, Garnett T, Tilman D, DeClerck F, Wood A et al.  Food in the Anthropocene: the EAT-Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems. Lancet North Am Ed. 2019;393:447–92.
  5.  Huo R, Du T, Xu Y, Xu W, Chen X, Sun K, Yu X. Effects of Mediterranean-style diet on glycemic control, weight loss and cardiovascular risk factors among type 2 diabetes individuals: a metaanalysis. Eur J Clin Nutr 2015;69:1200–8.
  6. Chiavaroli L, Viguiliouk E, Nishi SK, Blanco Mejia S, Rahelic´ D, Kahleová H, Salas-Salvadó J, Kendall CW, Sievenpiper JL. DASH dietary pattern and cardiometabolic outcomes: an umbrella review of systematic reviews and meta-analysis. Nutrients 2019;11: 338.
  7. Jardine MA, Kahleova H, Levin SM, Ali Z, Trapp CB, Barnard NB. Perspective: plant-based eating pattern for type 2 diabetes prevention and treatment: efficacy, mechanisms, and practical considerations. Adv Nutr. Published online June 10, 2021. doi: 10.1093/advances/nmab063